
Ein weiteres Jahr konnte dem mittlerweile zu einer pädagogischen Tradition gewordenen und nunmehr seit 23 Jahren fortbestehenden Schüler-Austausch zwischen der Ganztagsschule Lilienthal und der Schule „Van Gogh“ in Émerainville in Frankreich hinzugefügt werden.
Die Jahreszahl des Fortbestandes dieses Austausches spiegelte sich auch in der diesjährigen Teilnehmerzahl wieder, welche mit 18 Mädchen und 5 Jungen ebenfalls 23 betrug.
Als neuem Französischlehrer an der Ganztagsschule Lilienthal wurde Herrn Ökelek im November 2010 die Aufgabe und Verantwortung der Organisation für das Austauschprogramm sowie für die Durchführung des Vorbereitungskurses übertragen. Zur Vorbereitung auf die Fahrt besuchten die Schüler jeden Mittwoch von 14.15h bis 15.40h die Frankreich-Werkstatt, wo alle unter anderem auch an der Aufführung eines deutsch-französischen Theaterstückes (in dem es um die Erfahrungen und Erlebnisse des tolpatschigen Franz in Frankreich geht) von Laurent Jouvet namens „Franz en France“ gearbeitet haben, um es am Abschiedsabend in Frankreich aufzuführen.
Als Termin für die Austauschfahrt war der Zeitraum vom Mittwoch, dem 30.03.11 bis zum nächsten Mittwoch, dem 06.04.11 vorgesehen. Mit dem Heranrücken des Austauschtermines ließ sich bei den Schülern auch allmählich ein Anstieg an Vorfreude und der Spannung erkennen, bis dann schließlich der Countdown abgelaufen war und alle Schüler und die Eltern an jenem besagten Tag mit Koffern vor dem Eingang der Schule standen und den schweren Abschiedsmoment abwarteten. Wir fuhren mit dem Bus. Kurzerhand erfolgten vor der Abfahrt noch Bittstellungen einzelner besorgter Eltern, auf ihren Sprößling doch besonders gut aufzupassen.
Nachdem dann die Koffer auch verstaut waren, konnte es dann pünktlich um 8.30h endlich losgehen „vers la France“, das Land in dem „Liberté, Égalité und Fraternité“ mit Großbuchstaben geschrieben werden, die eine oder andere Träne wurde hierbei bravourös unterdrückt. Als zweite Lehrkraft begleitete Frau Cloer die Fahrt. Mit den zwei netten Fahrern von „von Rahden“ und nach einer ausführlich gemachten herzlichen Ansage unseres „Chauffeurs“ im Stile eines Flugbegleiters ging es dann über die A1 an Dortmund, der BayArena in Leverkusen und an Köln vorbei in Richtung belgische Grenze. In Belgien wurden wir mit einem Regenschauer und einem Stau begrüßt, jedoch ließen sich unsere erfahrenen Fahrer durch die damit verbundenen Zeitverluste nicht beeindrucken und fuhren uns sicher weiter, bis wir schließlich die Grenze in das gelobte Land aus dem Französischunterricht herannahen sahen, wir passierten die Grenze, und wir sahen endlich „Frankreich“, oder besser gesagt, was sich uns davon zunächst anbot.
Von dort an waren es nur noch wenige Stunden bis zu unserer Ankunft in Émerainville um ca. 20.15h, wo nach kurzer Zeit auch die meisten Eltern eintrafen, die Austauschpartner zueinander fanden, und es dann anschließend zu den Gastfamilien ging, wo nach der langen Fahrt am selben Abend noch ein wenig Zeit zum gegenseitigen Kennenlernen bleiben sollte, denn früh am nächsten Morgen stand bereits„regulärer Französischunterricht“ auf dem Programm, wo die deutschen Schüler ihren französischen Austauschpartner einen Tag lang im Schulleben begleiten sollten. Als Gastlehrer besuchten wir unsererseits den Unterricht von Mme Péborde bzw. von Mme Barré und überreichten nach einem gemeinsamen Mittagessen in der Schulkantine der Direktorin Mme Wiart das Gast-Geschenk unserer Schule.
Auf dem Programm stand am Freitag die Besichtigung des ca. 50km südöstlich von Paris gelegenen Schlosses Fontainebleau, eines der bekanntesten Residenzen französischer Könige und Kaiser, in welchem neben Herrschern wie z.B. Henri dem II oder Ludwig dem XIV (1643-1715) auch Napoléon gehaust und von 1802 bis 1815 Frankreich regiert und verwaltet hat. Die Hinfahrt zum Schloss mit dem Zug war recht amüsant, und nach einem kurzen Fußmarsch von noch 3km waren wir dann auch am Zielort. Im recht großen Schloss besichtigten wir den hauptsächlich für Napoléon gewidmeten Teil, wo sich uns neben persönlichen Reliquien des Herrschers auch architektonische Besonderheiten unterschiedlicher Herrscherepochen vorgeführt und erläutert wurden.
Am Wochenende hatten die Schüler Freizeit, wo sie gemeinsam in ihren Gastfamilien Unternehmungen und Aktivitäten durchführen konnten sowie die Gelegenheit hatten, sich ausführlich mit ihren Austauschpartnern zu unterhalten und somit ihre kommunikativen Fertigkeiten im Französischen weiter auszubauen. Für das Wohlergehen der Austauschschüler scheuten sich einige französische Gastfamilien am Wochenende auch nicht vor einem kostspieligen Besuch des „Disneyland Paris“, wie wir am Montagmorgen in der üblichen Befindlichkeitsumfrage dann von einigen Schülern erfuhren. Auf einem mit Stolz präsentierten Eintrittsticket (Einzelperson/Kinder) konnte ich die Zahlen „64,00 Euro“ entziffern.
Mit der RER-Linie E ging es dann am Montagmorgen von Émerainville bis zur Endstation dieser Linie „Saint-Lazare“ in die Innenstadt von Paris, wo wir unsere Besichtigungsstrecke mit dem Hauptziel eines Besuchs im „Musée national du Moyen Âge“ zunächst mit einem der Hauptattraktionen von Paris, dem „Palais Royal“ und den „Pyramides“ am Eingangsbereich des „Musée du Louvre“ einleiteten. Vom Palais Royal aus ging es weiter auf die „Île de Paris“ mit der unter anderem aus einem Roman von „Victor Hugo“ bekannten Kirche „Notre-Dame“. Längs hinter der Kirche an der Seine entlang führte uns der Weg über eine kleine Brücke in das Viertel St.Michel. Zuvor bot sich uns bei Sonnenschein auf der Brücke jedoch eines der malerischsten Panorama-Anblicke auf das Notre-Dame in Umgebung einer Blütenpracht schöner Gewächse. Das Geländer dieser Brücke, welches teils aus Maschendrahtzaun besteht, ist übersät mit Vorhängeschlössern, welche von Paaren als Liebesbeweis und Wunsch dauerhaften Liebesglückes dort mit den Initialen angebracht werden, um anschließend den Schlüssel auf ewig in der Seine verschwinden zu lassen.
Im „Musée national du Moyen Âge“ angekommen, bekamen wir unter anderem den sechsteiligen „Millefleurs-Wandbehang“ zu sehen, die im 15. Jahrhundert entstanden sind und zu den weltbekanntesten historischen Wandteppichen zählen. Auf ihnen sind symbolisch die fünf Sinne abgebildet. In dem Gebäude vereinen sich neben dem gotischen Baustil auch romanische Elemente, da es ursprünglich zu römischer Zeit als Therme errichtet und später im 14. Jahrhundert auf den Überresten eine Abtei gebaut wurde.
Nach der üblichen Anfahrt aus Émerainville mir der RER fing unser Programm für unseren letzten Aufenthaltstag in Paris an mit einem Besuch auf den „Champs-Élysées“ ab der Station „Franklin D. Roosevelt“, wo wir hinaufgingen in Richtung „Arc de Triomphe“ und dort unser gemeinsames deutsch-französisches Austausch-Photo für 2011 machten. Hinunter an der „Avenue Kléber“ ging es zum „Palais de Chaillot“, wo sich den Schülern an den Treppen dieses Gebäudes aufsteigend, gegenüber das monumentale Sichtfeld des Pariser Eiffelturms eröffnete. Mit dem Fahrstuhl ging es am Eiffelturm bis auf die zweite Etage in 115m Höhe, wo die Schüler Paris bei Sonnenschein aus der Luft besichtigen konnten.
Nach einem Mittags-Picknick im „Parc du Champ de Mars“ am Fuße des Eiffelturms ging es mit der Métro weiter zum Montmartre-Viertel, dort hinauf zum Sacré-Coeur, womit unser Besichtigungsprogramm für uns Lehrer in einem Café und die Schüler in einer halbstündigen Freizeit zu einem reizvollen Ende kam. Der Tag war jedoch noch nicht zu Ende, da es von dort aus erstmal noch zur Schule ging und am Abend um 19 Uhr die offizielle Verabschiedungsfeier auf dem Plan stand. Die Feier begann mit einer amüsanten Theateraufführung von Aschenputtel auf Deutsch, und anschließend folgte unsere deutsch-französische Aufführung „Franz en France“.
Nach einer Ansprache überreichte uns die Schule das Gastgeschenk für unsere Schule. Unser Dank galt allen französischen Gasteltern für ihre Bemühungen und die Gastfreundschaft. Die Schüler, Lehrer und Eltern erhielten dann die Bitte, sich am vielfältigen großenteils von den Eltern selbst zubereiteten Buffet zu bedienen und sich zu verköstigen.
Am nächsten Morgen traf unser Bus pünktlich um 8.15h an der französischen Schule ein, mit einem weinenden und einem lachenden Auge ließen die Schüler die Fahrer ihr Koffer in den Bus einräumen, die Schüler verabschiedeten sich und wir Lehrkräfte verabschiedeten uns von unseren französischen Kolleginnen, um uns schließlich pünktlich um 8.30h auf den Rückweg in Richtung Lilienthal und Heimatland zu machen.
Am Abend kurz nach neun erwarteten uns bei Ankunft an der
Schule erleichterte und freudige Elterngesichter. Sicher gab es dann einander viel zu erzählen von einer spannenden, interessanten, abwechslungs-, erlebnis- und erkenntnisreichen Frankreichfahrt, welche den meisten Teilnehmern auch in diesem Jahr wieder viel Spaß und Freude bereitet haben dürfte und auf jeden Fall für alle ein großer Gewinn ist.
