Konzeption
der Schulsozialarbeit an der Ganztagsschule Lilienthal
Oktober 2010
Inhaltsverzeichnis
1. Schulsozialarbeit
1.1. Schulsozialarbeit in Niedersachsen
1.2. Auftragsgrundlagen und Ziele
1.3. Gesellschaftliche Situation und Positionierung von Schulsozialarbeit
1.4. Schulsozialarbeit an der Ganztagsschule Lilienthal
1.4.1 Rahmenbedingungen
1.4.2 Säulen der Schulsozialarbeit
1.4.3 Schwerpunkt Übergang Schule – Beruf
2. Hauptschulprofilierung: Übergang Schule – Beruf
2.1 Ziele
2.2 Maßnahmen
2.3 Methoden
2.3.1 Einzelfallhilfe
2.3.2 Sozialpädagogische Gruppenangebote
2.3.3 Innere Vernetzung, Aufgaben und Pflichten
3. Qualifikationssystematik
3.1 Vernetzung von Schulsozialarbeit außerhalb der Schule
3.2 Öffentlichkeitsarbeit
3.3 Weiterbildung / Supervision
3.4 Dokumentation, Verwaltung, Evaluation
1. Schulsozialarbeit
Sozialarbeit in Schule hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Inzwischen hat sie in unterschiedlichsten Schulformen Einzug gehalten und sich in vielen Schulen etabliert. An der Ganztagsschule Lilienthal wurde bereits vor mehr als elf Jahren eine feste Stelle für einen Schulsozialarbeiter installiert, die inzwischen von zwei sozialpädagogischen Fachkräften besetzt wird. Nicht zuletzt aufgrund des gewachsenen Mitarbeiterstabs ist eine umfangreiche Konzeption, die sich mit den unterschiedlichen Aufgabenfeldern, Zielen und Kooperationsstrukturen von Sozialarbeit in Schule befasst, unverzichtbar. Auf den folgenden Seiten findet sich eine detaillierte Auflistung dieser Merkmale, die allerdings nicht als endgültig anzusehen ist, sondern einer stetigen Überprüfung und Fortschreibung bedarf.
1.1 Schulsozialarbeit in Niedersachsen
Schulsozialarbeit gibt es in Niedersachsen in verschiedenen Formen und Ausprägungen. Sie wird an den jeweiligen Schulen mit den unterschiedlichsten Erwartungen und mit vielfältigen Aufgabenstellungen konfrontiert. Dank einer intensiven Unterstützung durch eine Landesarbeitsgemeinschaft, eine inzwischen gut funktionierende regionale und überregionale Vernetzung und gewerkschaftliches Engagement ist es gelungen, den anfänglichen Status des „Einzelkämpferdaseins“ von Sozialarbeit in Schule zu überwinden und in Kooperation mit den Fachhochschulen allgemeingültige Aufgabenschwerpunkte, Ziele und Qualitätsstandards zu entwickeln.
1.2 Auftragsgrundlagen und Ziele
Schulsozialarbeit ist eine Form der Jugendhilfe, gesetzlich verankert im KJHG (SGB VIII), insbesondere in den §§ 1 Abs. 1 und 13 Abs. 1:
„Jeder junge Mensch hat das Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit.“ – „Jungen Menschen, die zum
Ausgleich sozialer Benachteiligungen oder zur Überwindung individueller Beeinträchtigungen in erhöhtem Maße auf Unterstützung angewiesen sind, sollen im Rahmen der Jugendhilfe sozialpädagogische Hilfen angeboten werden, die ihre schulische und berufliche Ausbildung,
Eingliederung in die Arbeitswelt und ihre soziale Integration fördern.“
Aus diesen gesetzlichen Grundlagen ergibt sich als ein Schwerpunkt schulischer Sozialarbeit an der Ganztagsschule Lilienthal die Förderung sozialer und emotionaler Kompetenz, die für den Übergang von der Schule in den Beruf von Nöten ist. Der Integration von benachteiligten Schülerinnen und Schülern kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Darüber hinaus hat die Schulsozialarbeit in Kooperation mit Schulleitung, Lehrkräften, Schülerinnen, Schülern und Eltern viele weitere Aufgabenschwerpunkte und Richtlinien nach diesem im KJHG formulierten Ziel entwickelt, die sich im vorliegenden Konzept nach Oberbegriffen geordnet und näher erläutert wiederfinden lassen.
1.3 Gesellschaftliche Situation und Positionierung von Schulsozialarbeit
In den letzten Jahrzehnten haben sich die gesellschaftlichen Lebensbedingungen und damit die Anforderungen an Eltern und Kinder merklich verändert. Immer mehr Kinder erhalten heute in ihrer Familie keine sichere Lebensorientierung mehr und bringen auf Grund mangelnder Erziehungskompetenz der Eltern kaum die erforderliche Frustrationstoleranz mit, um den Übergang zwischen Schule und Beruf zu bewältigen. Die Schule bleibt folglich als einer der Orte übrig, in dem durch die Gemeinschaft die Defizite der Kinder und Jugendlichen in sozialer und emotionaler Kompetenz korrigiert und ihre Stärken ressourcenorientiert herausgearbeitet werden können. Im Schulalltag spiegeln sich die sozialen Lebensumstände der Kinder mit ihren Problemen deutlich wieder. Diese zeigen sich zum Beispiel in Form von Konzentrationsschwächen, Motivationslosigkeit, mangelndem Selbstwertgefühl, Mutlosigkeit, Gewaltbereitschaft und Drogenmissbrauch. Lehrerinnen und Lehrer stehen deshalb auch immer wieder Schülerinnen und Schülern gegenüber, die entweder den Unterricht massiv stören, sich immer mehr in sich zurückziehen oder durch andere Verhaltensweisen auf sich aufmerksam machen. Die Lehrkräfte und die Klassen sind dadurch gleichermaßen in ihrer Lehr- bzw. Lernsituationen erheblichen Belastungen ausgesetzt. Die Lehrkräfte stoßen an die Grenzen ihrer Möglichkeiten und Belastungsfähigkeiten. An dieser Stelle ist sozialpädagogische Fachkompetenz gefragt, die die Möglichkeiten pädagogischen Handelns erweitern und bereichern kann. Von ihr können alle SchülerInnen, nicht nur die auffälligen unter ihnen, profitieren. Hier zeigt sich der präventive Charakter schulischer Sozialarbeit. Besonders die wachsende Anzahl von Ganztagsschulen stellt eine Chance und Herausforderung für Schulsozialarbeit dar. Die Ganztagsschule als Lebensraum für Kinder und Jugendliche ist ohne die Einbeziehung sozialpädagogischer Sichtweisen und Arbeitsformen nahezu undenkbar. Mit ihren unterschiedlichen Kooperationsmodellen bilden sie Beispiele für eine zukunftsorientierte Schule.
1.4 Schulsozialarbeit an der Ganztagsschule Lilienthal
1.4.1 Rahmenbedingungen
Lilienthal ist eine Gemeinde im Bundesland Niedersachsen und liegt am Rande des Teufelsmoores im Landkreis Osterholz 17 Kilometer vom Ortszentrum Bremens entfernt. Mit seinen gut 19.000 Einwohnern und den guten Verkehrsanbindungen nach Bremen vereint Lilienthal, das auch die „Oase am Rande der Großstadt“ genannt wird, eine durchaus städtisch geprägte Infrastruktur mit einem durch die ländlich geprägten Ortsteile hohen Erholungswert.
Die Gemeinde Lilienthal ist Trägerin der Ganztagsschule Lilienthal, Haupt- und Realschule, in der zur Zeit 522 SchülerInnen (Stand: 01.08.2010) in den Klassen 5 – 10 von 47 Lehrkräften unterrichtet werden.
Die Ganztagsschule Lilienthal vereint unter ihrem Dach die Haupt- und Realschule Lilienthal. Die teilweise gebundene Ganztagsschule Lilienthal bietet den Unterricht einer Vormittagsschule an fünf Tagen, zwei Pflichtunterrichtsnachmittage für alle, eine Mittagszeit, Zeiträume für zusätzliche Übungen und ergänzende Wahlangebote an zwei weiteren Tagen der Woche.
Die Ganztagsschule Lilienthal ist eine Haupt- und Realschule, die ab Schuljahr 2010/2011 in den Schuljahrgängen 5 bis 8 als „Zusammengefasste Haupt- und Realschule“ geführt wird. Diese Organisationsform dient der Vermeidung jahrgangsübergreifender Klassenbildungen in den ersten 4 Jahren der Hauptschule. In den Schuljahrgängen 9 und 10 werden schulformspezifische Klassen mit teilweise schulformübergreifendem oder jahrgangsübergreifendem Unterricht eingerichtet.
Die Schule bietet den SchülerInnen die Möglichkeit, den Hauptschulabschluss und im Rahmen der 10. Klasse den Sekundarabschluss I – Hauptschulabschluss, Sekundarabschluss I – Realschulabschluss sowie den Erweiterten Sekundarabschluss I zu erlangen.
Zur Zeit ist ca. 3% Prozent der Schülerschaft zugewandert und hat nicht Deutsch als Muttersprache. Viele der sozialen und Kommunikationsprobleme, denen die Schülerinnen und Schüler in ihrem täglichen Lebensumfeld ausgesetzt sind, werden auch in die Schule hineingetragen und beeinflussen damit maßgeblich den Unterricht und das Schulleben.
1.4.2 Säulen der Schulsozialarbeit an der Ganztagsschule Lilienthal
Zum 01.11.2001 wurde an der Ganztagsschule Lilienthal im Rahmen des Hauptschulprofilierungs-programms des Landes Niedersachsen die Stelle einer Schulsozialarbeiterin eingerichtet. Sie ist zur Zeit durch zwei sozialpädagogische Fachkäfte besetzt, die innerhalb und im Umfeld der Schule tätig sind. Damit ist der Aufgabenschwerpunkt der Schulsozialarbeit an der Ganztagsschule Lilienthal auf den Übergang Schule – Beruf festgelegt. Dazu gehören die Beratung von Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Eltern ebenso wie das Initiieren und Durchführen von Arbeitsgemeinschaften, Projekten und Nachmittagsangeboten, Öffentlichkeitsarbeit und die Vernetzung innerhalb des Gemeinwesens. Darüber hinaus ist ein wesentliches Ziel der Schulsozialarbeit, sozialpädagogische Konzepte und daraus resultierende Handlungsstrategien in den Schulalltag einfließen zu lassen und damit einen deutlichen Einfluss auf das Schulleben auszuüben. Das Team der Schulsozialarbeit bietet ein facettenreiches Angebot an Unterstützungsmöglichkeiten für die SchülerInnen, Eltern, Lehrkräfte und MitarbeiterInnen. Auf den folgenden Seiten werden diese Möglichkeiten detailliert dargestellt. Nicht alle Angebote werden allerdings regelmäßig offeriert. So wird zum Beispiel das Beratungsangebot kontinuierlich bereitgehalten. Ratsuchende erhalten kurzfristig Gesprächstermine. Dagegen unterstützen die sozialpädagogischen Fachkräfte die an Schule Beteiligten in anderen Situationen nur im Bedarfsfall oder zu bestimmten Terminen im Schuljahr. Zudem gibt es Angebote, die nur in besonderen Situationen oder in Abhängigkeit von den speziellen Kompetenzen der jeweiligen MitarbeiterInnen bereit gehalten werden können. Folglich gibt es Aufgabenbereiche der Schulsozialarbeit an der Ganztagsschule Lilienthal, die kontinuierlich geleistet werden und andere, die in unterschiedlichen Zeitabständen zur Bewältigung anstehen.
1.4.3 Schwerpunkt Übergang Schule – Beruf
Die Ganztagsschule Lilienthal hat einen Schwerpunkt darauf gelegt, SchülerInnen beim Übergang in den Beruf und bei der Wahl weiterführender Schulen bestmöglichst zu unterstützen. Die Hinführung der SchülerInnen zur Arbeitswelt findet im Wesentlichen durch die Fachlehrkräfte „Wirtschaft“ statt. Regelmäßige Praxistage und mehrfache umfangreiche Betriebspraktika gehören zum Schulprofil. Diese realen Kontakte mit der örtlichen Wirtschaft und den örtlichen Betrieben ebnen den SchülerInnen den Weg in den Beruf.
Dennoch erreichen viele der Intentionen und Unterrichtsinhalte einen Teil der Schülerschaft häufig nicht. Individuelle Problematiken, Hilflosigkeit und Orientierungslosigkeit erschweren die Bedingungen für den Übergang von Schule zum Beruf, da bestimmte Schlüsselqualifikationen im Rahmen von Schulunterricht nicht ausreichend zu vermitteln sind. Besonders diese SchülerInnen sollen „an die Hand“ genommen werden, um ihnen so eine kontinuierliche Förderung und Begleitung auf dem Weg ins Berufsleben zu bieten.
Da die Anforderungen der Berufs- und Arbeitswelt als Folge technischer, wirtschaftlicher und sozialer Veränderungen immer größer werden und sich zugleich die Einstellungen und Kompetenzen vieler Jugendlicher, die vor dem Wechsel ins Berufsleben stehen, erheblich verändert haben, muss bereits früh (im 5. Jahrgang) mit der Förderung begonnen werden, damit die SchülerInnen zur Ausbildungsreife gelangen.
Ziel ist es, dass SchülerInnen mit erschwerten persönlichen Voraussetzungen und Bedingungen für den Übergang von Schule zum Beruf individuell durch gezielte sozialpädagogische Maßnahmen und Angebote die Schule in Einklang mit deren Leitbild ausbildungsreif bzw. mit verbesserter Ausbildungsfähigkeit und mit einer individuell geeigneten, realistischen Anschlussperspektive verlassen.
2. Hauptschulprofilierung: Übergang Schule – Beruf
Die Schulsozialarbeit in der Hauptschulprofilierung arbeitet eng mit den Klassenlehrkräften, den Fachlehrkräften „Wirtschaft“, den Jahrgangsleitungen und dem Berufsberater der Arbeitsagentur zusammen. Schwerpunkte in der Arbeit sollen nach Bedarf gesetzt und in Absprache mit den Beteiligten an der Schule und dem Berufsberater der Arbeitsagentur erfolgen.
2.1 Ziele
Abbau vermittlungshemmender Faktoren durch
– Unterstützung und Begleitung bei individuellen Problemlagen
– Erarbeiten von Handlungsalternativen und Ermutigung zu flexiblem Handeln
– Verringerung des Leidensdruckes und Entwicklung positiver Lebenseinstellung
– Motivation zur Mitarbeit und Selbsthilfe
– Integration in Elternhaus, Klasse, Gruppe, Kollegium
2.2 Maßnahmen
Individuelle Hilfestellung bei der Berufsfindung
• „Self Marketing“: Bewerbungstraining, Bewerbungsrollenspiele, Vorstellungs- und Telefontraining → Vorbereitung, Begleitung und Auswertung (Kleingruppen)
• Hilfe bei der Suche nach Praktikums- und Ausbildungsplätzen
• Beratung beim individuellen Verfassen von Bewerbungen mit Durchsicht und Korrektur
• Hilfe bei der Planung der weiteren Schullaufbahn
• Hilfe bei der Berufsfindung (in Zusammenarbeit mit der Berufsberatung der Arbeitsagentur)
• Vor- und Nachbereitungen berufsorientierender Maßnahmen mit Schülergruppen
• Fördermaßnahmen für Computerkenntnisse (MS Office, Internetrecherche zu Berufsbildern, offenen Ausbildungsplätzen, Firmenprofilen u.v.m.)
Maßnahmen zur individuellen Kompetenzsteigerung: „Ausbildungsreife fördern“ / „Entwicklung von Schlüsselkompetenzen“
• Benimmtraining: Organisation, Durchführung und Begleitung
• Sozialtraining in den Klassen
• Unterrichtseinheit „Mobbing“
• Begleitung der SchülerInnen im Trainingsraum
• Finanz- und Lebensberatung
• Einzelcoaching / Zielvereinbarungen in Bezug auf Arbeits- und Sozialverhalten der SchülerInnen, Gespräche mit beteiligten Lehrkräften
• Mediationen
• Hilfe bei persönlichen und sozialen Problemlagen (gemeinsames erarbeiten von Lösungsmöglichkeiten z.B. bei Überforderung, Lernschwierigkeiten, sozialer Ausgrenzung, Drogenmissbrauch, Gewalt → Abbau hemmender Faktoren)
• Elternberatung und -information
2.3 Methoden
Um SchülerInnen zu stärken und zu fördern, nutzt die Schulsozialarbeit unterschiedliche Methoden und spezifische sozialpädagogische Maßnahmen, die im folgenden weiter erläutert werden sollen.
2.3.1 Einzelfallhilfe
Schulsozialarbeit nutzt ihre Kompetenzen und spezifischen Rahmenbedingungen, um qualifizierte Beratung und Einzelfallhilfe anzubieten. Besonders berücksichtigt werden hierbei die Schweigepflicht 1), der freiwillige Zugang und die Transparenz gegenüber den Ratsuchenden.
Beratung / Einzelfallhilfe wird angeboten für Schüler, Lehrer, Eltern, Familien und nicht lehrendes Personal in Form von:
• Einzelgesprächen
• Kleingruppenarbeit
• Familiengesprächen
• Krisenintervention
• Konfliktklärung
• Gruppenmoderation
• Struktur / Organisationsberatung
• Begleitung bei Behördengängen
• Suche nach weiteren Hilfsmöglichkeiten
• Beschaffung von Informationsmaterial
• Förderung sozialer Kontakte
• Unterrichtshospitationen
• Hausbesuche
Vermittlung von Kontakten zu:
• Vereinen
• Ferienmaßnahmen
• Jugendhäusern
• Freizeitangeboten
• Jugendhilfeeinrichtungen
• Weiteren Organisationen
Zu 1) StGB § 203 Abs.1: „Wer unbefugt ein fremdes Geheimnis, namentlich ein zum persönlichen Lebensbereichgehörendes Geheimnis oder ein Betriebs- oder Geschäftsgeheimnis, offenbart, das ihm als (…) staatlich anerkanntem Sozialarbeiter oder staatlich anerkanntem Sozialpädagogen (…) anvertraut worden oder sonst bekannt geworden ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.“
2.3.2 Sozialpädagogische Gruppenangebote
Sozialtraining
In einer immer komplexer und vernetzter werdenden Welt steigen die Anforderungen an den Einzelnen, sich sozial angemessen zu verhalten. Zugleich nehmen die Möglichkeiten, Sozialverhalten einzuüben, in der Gesellschaft ab. Die Schule ist ein Ort, an dem die soziale und geistige Entwicklung erfolgen soll. Sie ist aber auch der Ort, an dem die Verhaltensprobleme der Heranwachsenden besonders deutlich hervortreten und die Lernmöglichkeiten und damit auch die Entwicklungschancen der Kinder beeinträchtigt werden. Deshalb zielt das Sozialtraining in der Schule auf eine frühzeitige und ganzheitliche Förderung der jungen Menschen ab, indem soziale Fertigkeiten, Fähigkeiten und Kompetenzen im Kontext der Schulklasse eingeübt werden, die zu einem Gelingen des Übergangs Schule – Beruf beitragen.
Sozialtraining mit Gruppen / mit Klassen
• eigene Angebote
• Angebote in Zusammenarbeit mit Lehrkräften
• Angebote durch Lehrkräfte / Beratungslehrkräfte
• Angebote durch Außenstehende
• Nutzung außerschulischer Angebote
• Vermittlung erlebnispädagogischer Angebote
• unterrichtsbegleitende Angebote außerhalb des Unterrichts
Arbeit mit MigrantInnen und AussiedlerInnen
Die Ganztagsschule Lilienthal wird auch von Kindern und Jugendlichen mit Migrations- und Aussiedlerhintergrund besucht. Häufig werden aufgrund der persönlichen Lebenssituationen gerade an diese jungen Menschen und deren Familien im schulischen Kontext und die Berufswahl betreffend besondere Anforderungen und Erwartungen gestellt, denen sie nicht immer ausreichend gewachsen sind. Lehrerinnen und Lehrer sind mit den individuellen Lebenshintergründen dieser Klientel häufig nicht hinreichend vertraut. Das führt nicht selten zu Verunsicherungen bei Lehrkräften und SchülernInnen verbunden mit der Gefahr von Fehleinschätzungen und Irritationen. Hier bedarf es in Zusammenarbeit mit der DAF-Lehrkraft der Schule an Unterstützung aller Beteiligten in Form von:
• Informationen über unterschiedliche Rollen und kulturelle Hintergründe
• Beratung von
– SchülerInnen
– Eltern
– Lehrkräften
– anderen Mitarbeitern
• Weitervermittlung
• Herstellen von Kontakten
• Mitorganisation von Elternabenden und Informationsveranstaltungen zum
Themenschwerpunkt „Migration“
Betreuung des Konfliktlotsenprojekts
Über die Jahre hinweg ist dieses anfängliche Projekt zu einer festen Institution in der Ganztagsschule Lilienthal geworden. Alle zwei Jahre wird eine Schülergruppe des 8. und 9. Jahrganges zu Konfliktlotsen / StreitschlichterInnen ausgebildet. Diese übernehmen die Begleitung von Konflikten ihrer MitschülerInnen, hauptsächlich der jüngeren Jahrgänge. Betreut werden diese, wie auch die bereits ausgebildeten Konfliktlotsen, von der Schulsozialarbeit und einer Lehrkraft.
StreitschlichterInnen erlernen in ihrer Ausbildung ein hohes Maß an „sozialer Kompetenz“, zu der unter anderem Kommunikationsfähigkeit, Kooperationsfähigkeit, Empathie und auch Selbstsicherheit gehören. Diese Kenntnisse und Fähigkeiten gehen weit über die Schule hinaus und werden von den SchülerInnen in die Familien und den Freundeskreis hinein getragen.
Auch die ortsansässige Wirtschaft profitiert von den Inhalten dieser Ausbildung, da Teamfähigkeit und Streitkultur in fast jedem Anforderungsprofil ganz oben auf den Bewerbungsausschreibungen steht. Somit leistet die Konfliktlotsenausbildung auch einen wesentlichen Beitrag zum Bereich “Übergang Schule – Beruf“.
Elternarbeit
Familien legen die Grundlagen für verantwortliches, gemeinschaftsorientiertes und selbstbewusstes Handeln von Kindern und Jugendlichen. Deshalb sind Eltern wichtige Partner und Bezugspunkte der Kinder- und Jugendhilfe und der Schule. Belastende Familiensituationen wie z.B. Trennungen, Patchworksituationen und Erziehungsprobleme führen zu schwierigen Lebenslagen junger Menschen und nicht selten zu Hemmnissen beim Übergang ins Berufsleben. Hier ist es eine Aufgabe von Schule und Schulsozialarbeit, Eltern in ihren erzieherischen Kompetenzen und in individuellen Lebenssituationen beratend und unterstützend zur Seite zu stehen. Im Einzelnen bietet Schulsozialarbeit hier an: – Beteiligung an Elternabenden – Beteiligung an Elternsprechtagen – Vermittlung und Begleitung von Kontakten zwischen Eltern und Lehrkräften – Aufklärung der Lehrkräfte über individuelle Lebenswelten der Familien ihrer Schülerinnen und Schüler – Elternberatung – Einzelfallhilfe – Hausbesuche – Stärkung von Elternselbsthilfe – Vermittlung an Selbsthilfegruppen – Organisation und Durchführung von Info -Veranstaltungen – Beteiligung an Elterngremien und Elternorganisationen
2.3.3 Innere Vernetzung, Aufgaben und Pflichten
Einbindung von Schulsozialarbeit in das System Schule
Die Effizienz von Schulsozialarbeit hängt maßgeblich davon ab, in wie weit sie in das System „Schule“ eingebunden ist, ohne dabei ihren besonderen Charakter, ihre Stärken und die spezifischen Aufgabengebiete zu verlieren. Deshalb ist das Thema „Sensible Vernetzung“ von besonderer Bedeutung. Unterschieden wird zwischen einem internen und einem externen Netzwerk.
Vernetzung von Schulsozialarbeit mit anderen Bereichen innerhalb der Schule:
• Schulleitung
• Lehrkräfte
• Weitere Mitarbeiter
• Beratungslehrkraft
• SchülerInnen
• Schülervertretung
• Eltern
• Elternvertreter
• Schulverein
Aufgaben und Pflichten von berufsorientierender Schulsozialarbeit – Einbindung berufsorientierender Schulsozialarbeit in das System Schule (s.o.) – Fortlaufende Sichtung und Überprüfung berufsorientierender Angebote der Schule – Mitarbeit an Konzepten und Zielen – Qualitätsentwicklung – Umsetzung von Erlassen der Schule – Einbindung in das Schulprogramm – Eigene Ideen zur Berufsorientierung und Kompetenzsteigerung entwickeln, festschreiben, umsetzen und weiterentwickeln – Entwicklung von Arbeitsmaterial und deren Einsatz
Konferenzen, Dienstbesprechungen, Arbeitskreise
Eine am Bedarf orientierte Teilnahme an Konferenzen, Dienstbesprechungen und Arbeitskreisen entspricht dem Selbstverständnis schulischer Sozialarbeit und trägt auch dazu bei, dass sozialpädagogische Konzepte und daraus resultierende Handlungsstrategien in den Schulalltag einfließen können und damit einen deutlichen Einfluss auf das Schulleben ausüben.
Zu den Konferenzen, Dienstbesprechungen und -versammlungen gehören
• Gesamtkonferenz
• pädagogische Klassenkonferenzen
• Fachkonferenzen
• Dienstbesprechungen
• Schulleitung
3. Qualifikationssystematik
Um die Qualität der Schulsozialarbeit an der Ganztagsschule Lilienthal sicher zu stellen, sind die Vernetzung mit dem Gemeinwesen, die Kompetenzsteigerung der SchulsozialarbeiterInnen durch Fort- / Weiterbildung und regelmäßige Supervision ebenso notwendig wie die Evaluation der Arbeit.
3.1 Vernetzung von Schulsozialarbeit außerhalb der Schule
Die Zusammenarbeit mit anderen Stellen innerhalb des Gemeinwesens ist von besonderer Bedeutung für das Gelingen der Schulsozialarbeit. Hierzu gehören
• Betriebe der Region
• Berufsbildende Schule
• Andere Schulen – insbesondere den Schulen im Verbund „Ostkreis“
• Berufsberatung der Agentur für Arbeit
• Projektanbieter
• Foren und Gremien
• Initiativen
• Privatpersonen
• Stiftungen
• Sponsoren
• Ämter
• Schulen
• Beratungsstellen
• Einrichtungen freier und öffentlicher Jugendhilfeträger
• Jugendhäuser
• Schulpsychologie
• Verwaltung
• Politik
• Landesjugendamt
• Fachhochschulen
• Projektanbieter
• themenübergreifende Arbeitskreise
• Beratungsstellen
• Kooperationspartner
• Vereine oder andere Institutionen
• sowie alle anderen Einrichtungen, die am Übergang in das Berufsleben beteiligt sind
3.2 Öffentlichkeitsarbeit
Eine positive Außenwirkung der Schule hat deutlichen Einfluss auf den Grad der Identifikation der Schülerinnen und Schüler, der Eltern und der schulischen Mitarbeiter und trägt zu einem guten Schulklima bei. Auf diesem Hintergrund ist Schulsozialarbeit bestrebt, sowohl eine schulinterne Transparenz zu fördern als auch die Außendarstellung der Schule zu unterstützen.
• Pressearbeit:
– Herstellung und Pflege von Kontakten
– Verfassen von Artikeln
– Fotografieren
• Nutzung weiterer Medien
• Konzeptentwicklung und -fortschreibung
• Dokumentation und Veröffentlichung
• Flyer / Infohefte / Aushänge
• Vorträge / Präsentationen
• Teilnahme an Elternabenden
• Teilnahme an außerschulischen Projekten und Veranstaltungen
• Mitwirkung in Ausschüssen
• Präsenz in politischen und fachlichen Gremien
• Kontaktpflege zu öffentlichen Institutionen, Fördergemeinschaften, Elterninitiativen,
Nachbarschaft
3.3 Weiterbildung / Supervision
Schulsozialarbeit nimmt regelmäßig an Fort- und Weiterbildungsangeboten teil. Ziel ist einerseits, sich mit aktuellen Wissensständen vertraut zu machen und vorhandene Fach- und Handlungskompetenz zu erweitern und andererseits Kompetenzen zielgerichtet weiterzuvermitteln (Multiplikatorenfunktion). Schulsozialarbeit nimmt nach Möglichkeit regelmäßig an Supervisionen teil, um in schwierigen Fällen reflektiert und von psychologischen Fachkräften unterstützt handeln zu können.
3.4 Dokumentation, Verwaltung, Evaluation
Schulsozialarbeit beteiligt sich an der Sicherung, Dokumentation und Evaluation von Arbeitsergebnissen. Sicherung von Arbeitsergebnissen (mit Hilfe unterschiedlicher Medien):
• Berichte
• Protokolle
• Bilder
• Plakate
• Filme
• Flyer
• Statistik
• Sammeln von Zeitungsausschnitten und weiteren Ergebnissen von Öffentlichkeitsarbeit
• Bildschirmpräsentationen
• Ergebnisse von Evaluationen und Fragebogenaktionen
Schulsozialarbeit erledigt in ihrem Bereich anfallende Verwaltungsaufgaben. Dabei wird sie phasenweise durch das Schulsekretariat und die Schulassistenz unterstützt. Erledigung von Verwaltungsaufgaben:
• Beschaffung und Ausgabe von Informationsmaterialien
• Berichterstattung
• Protokollierung
• Schriftverkehr
• Evaluation
• Konzepterstellung
• Telefonate
• Anträge, Abrechnungen
• Beantragung, Verwaltung und zweckentsprechende Verwendung von Sachmitteln und Sachspenden
• Datenpflege und -aktualisierung
• Erstellen und Vervielfältigen von Arbeitsmaterialien und Dokumenten für die unterschiedlichen
Arbeitsschwerpunkte
Lilienthal, 26.10.2010